Sportliche Aktivität in der Schwangerschaft

In der heutigen Zeit mit der Betonung auf Freizeitgestaltung und einem erhöhten
Körperbewußtsein stellt sich die Frage nach Ausmaß und Intensität körperlicher
Belastung während der Schwangerschaft mit besonderer Dringlichkeit.

Die Wechselbeziehungen zwischen körperlicher Belastung und Schwangerschaft
sind multifaktoriell und sehr komplex. Komplizierend kommt hinzu, dass sowohl eine
Schwangerschaft als auch mehr oder minder regelmäßige Belastung während der
Schwangerschaft aufgrund zahlreicher persönlicher Faktoren wie Alter, Trainingszustand,
Zeitpunkt der Schwangerschaft, Lebensgewohnheiten etc. ein sehr individuelles
Geschehen darstellen. Dennoch ist aufgrund der Ergebnisse zahlloser Studien zu diesem
Themenkomplex die Ausübung von Sportlicher Betätigung während der Schwangerschaft
aufgrund ihrer vielen Vorteile und ihrer sowohl überschaubaren, als auch kontrollierbaren
Risiken nicht nur erlaubt, sondern empfehlenswert.

Psychische Auswirkungen

Sportliche Aktivität in der Schwangerschaft läßt sich nicht nur auf ihre
therapeutischen und präventiven Funktionen reduzieren, sondern kann für
die schwangere Frau auch eine Vielzahl von anderen sowohl physischen als
auch psychischen Bedürfnissen erfüllen. Durch die Stärkung der Muskulatur
und die Fähigkeit, mit der Schwerpunktverlagerung und dem zusätzlichen
Gewicht besser umgehen zu können, bietet sportliche Aktivität während der
Schwangerschaft körperliche Vorteile, die wiederum Rückenschmerzen
reduzieren können. Das Gefühl, auch während der Schwangerschaft fit und agil
bleiben zu können, kann eine ebenso wichtige Motivation darstellen wie der
Wunsch nach den sozialen Aspekten des Miteinander und Gegeneinander beim
Sporttreiben. Darüber hinaus vermitteln alltägliche Beobachtungen und Hinweise
in der Literatur den Eindruck, dass körperliche Aktivität das seelische Wohbefinden
positiv beeinflußt. Physiologisch läßt sich dieser Zusammenhang durch eine erhöhte
Ausschüttung von Endorphinen bei sportlicher Belastung belegen.

In einer Schwangerschaft, die häufig mit emotionalen Umstellungen einhergeht,
die sich gelegentlich sogar zu psychischen Krisen entwickeln können, kann der
Sport somit eine Stressableiterfunktion übernehmen.

Empfehlungen

Grundsätzlich gelten leichte bis mittelgradige, regelmäßig ausgeübte aerobe Sportarten,
die große Muskelgruppen beanspruchen und von rhythmischer Natur sind, während
einer Schwangerschaft als vorteilhaft. Dabei sind kontinuierliche intermittierende
Belastungen (z.B. Intervalltraining) vorzuziehen.
Die Belastungsintensität sollte eine Herzfrequenz von 140-150 Schlägen/Minute
nicht überschreiten, so daß sich die Energiebereitstellung stets im aeroben Bereich bewegt (1).

Ein konservativer und einfacher Test zur Vermeidung körperlicher Überanstrengung
ist der von der Organisation „Fitness Canada“ empfohlene sogenannte „Talk Test“.
Dieser basiert auf der Idee, dass eine schwangere Frau während des Trainings unter
allen Bedingungen in der Lage sein sollte, eine verbale Konversation zu führen.

Sportarten, bei denen das eigene Körpergewicht nicht oder nur teilweise selbst
getragen werden muß (z.B. Schwimmen, Radfahren), sind solchen, bei denen
dies nicht möglich ist (z.B. Laufen, Aerobic) im allgemeinen der Vorzug zu geben,
insbesondere weil bei letzteren der Energieverbrauch und die Gelenkbelastung höher sind.

Empfehlenswerte  Sportarten

Akzeptable Sportarten

Nicht empfehlenswerte Sportarten

Schwimmen  Aerobic  Abenteuersportarten
Spazierengehen  Laufen  Anaerobe Belastungen (Sprints)
Radfahren  Schnorcheln Ballsportarten
  Sport in einer Höhe bis zu 2.500 m Kampfsportarten 
    Kraftsportarten (Gewichtheben)
    Mannschaftssportarten 
    Sportarten mit hohem Sturzrisiko
    Tauchen

Laufen gilt aufgrund seines ballistischen Charakters, von dem man nicht genau weiß, ob er
während der Schwangerschaft problematisch ist, als akzeptabel, besonders bei Frauen,
die schon vor der Schwangerschaft regelmäßig gelaufen sind. Als Richtlinien haben sich
die individuelle Belastungsintensität sowie Belastungsdauer, wie sie vor der Schwangerschaft
ausgeübt wurden, bewährt, verbunden mit einem gesunden subjektiven Einschätzungsvermögen
und entsprechenden Zugeständnissen an die Tagesform.
Gutes Schuhwerk ist beim Laufen wichtig, um ballistische Bewegungen abzufangen.

keine sportliche Aktivität bei:

Schwangerschaft mit Mehrlingen 
Blutungen
frühzeitige Wehentätigkeit
hohem Blutdruck
Kopfschmerzen
Rückenschmerzen
Übelkeit
Verkürzung des Muttermundes

Aufgrund von vergleichenden Untersuchungen zwischen dem Laufen und der Ausübung
von Aerobic, gilt Aerobic nur als zweitbeste Alternative, weil hier im Gegensatz zum
Laufen fetale Tachkardien auftreten.

Vor allem wegen der Gefahr eines Bauchtraumas gilt der Verzicht auf alle Mannschafts-
(hier besonders Ballsportarten), Kampf- (Taichi, Judo) und sogenannte Abenteuersportarten
(Bungee, Drachenfliegen, Fallschirmspringen) sowie auf Sportarten rnit hohem Sturzrisiko
(Turnen, Trampolin. Reiten) als angeraten.

Vom Tauchen sollte wegen der hyperbaren Bedingungen und des Risikos einer fetalen
Lungenembolie bei Dekompression abgesehen werden. Schnorcheln gilt als relativ ungefährlich.

Ein Saunabesuch bei 90-100 ° sollte während der Schwangerschaft nicht länger als
10-20 Minuten dauern, da sich die Körpertemperatur nur um 1 °C' erhöht, so daß keine fetale Hyperthermie zu befürchten ist.

Ein Sprung ins kalte Wasser sollte nach dem heißen Bad vermieden werden.

Von Gewichtheben jeglicher Art, bei dem ein Valsalva-Manöver ausgeführt werden tnuß,
ist währendder Schwangerschaft dringend abzuraten.

Gegen Aufenthalte und gemäßigte körperliche Belastung in einer Höhe bis maximal 2.500 m
ist bei komplikationslosen Schwangerschaftsverläufen nichts einzuwenden. Bedenken ergeben
sich hier lediglich hei Raucherinnren und Frauen mit uteroplazentaren Funktionsstörungen,
die über weniger Sauerstoffreserven für den Fetus verfügen als andere Frauen.

 

Erarbeitet von der Sektion Frauensport im Deutschen Sportärztebund.

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