Virusnachweis bei der Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses 

 

Der Nachweis von high risk (HR)-HPV (Typ 16,18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58,
59, 66 und 68) im Rahmen der Krebsvorsorge zur Erkennung von schwergradigen
Krebsvorstufen oder Gebärmutterhalskrebs ist sensitiver als die Zytologie, hat aber,
vor allem bei jungen Frauen, eine geringere Spezifität. Bei negativem HR-HPV-Nachweis
liegt nur extrem selten eine schwergradige Krebsvorstufe oder ein Karzinom vor.
Bei Frauen mit zytologisch unklaren Veränderungen oder Anzeichen für leichtgradige
intraepitheliale Neoplasien ist die Triage mit HR-HPV-Nachweis kosteneffizienter
als eine wiederholte zytologische Untersuchung. Bei leichtgradigen Krebsstufen
kann das Risiko der Progredienz durch wiederholten HR-HPV-Nachweis mit hoher
Zuverlässigkeit, bei jedoch geringer Spezifität, vorausgesagt werden. Der positive
HR-HPV-Nachweis zeigt die Persistenz oder ein Rezidiv nach Therapie einer
schwergradigenKrebsvorstufe zuverlässiger an als die zytologische Untersuchung.

Der Häufigkeitsgipfel für HPV-Infektionen liegt im Alter zwischen 20 und 25 Jahren.
Die kumulative Inzidenz bei Frauen nach Beginn der sexuellen Aktivität erreicht 50%.
Bei 80% der HPV-Infizierten bildet sich die Infektion über einen Zeitraum von ca.
12 Monaten spontan zurück, nur bei 20 % wird Persistenz oder Progredienz beobachtet.
3-6% der HPV-Infektionen entwickeln sich nach einem Intervall von 15 Jahren zum
Karzinom.
Für die Entwicklung eines Karzinoms der Cervix uteri sind jedoch noch
andere Faktoren von Bedeutung. Genetische Faktoren sind dafür verantwortlich,
dass die HPV-Infektion durch das Immunsvstem nicht eliminiert werden kann- 99.7%
aller Zervixkarzinnme enthalten HPV-DNA und 80% dieser Karzinome können
durch den HR-HPV-Nachweis identifiziert werden. Zur Zeit werden 3 HPV-
Nachweissysteme empfohlen: 2 Konsensus-Primer-PCR-Systeme, das MY09/11
und GP5+/6+-Verfahren, und die zweite Generation des Hybrid Capture Systems (HC II).
Diese Methoden haben eine hohe Sensitivität für den Nachweis von HR-HPV.

 

Therapieoptionen

Für die Behandlung von Präkanzerosen der Cervix uteri stehen destruierende
und exzidierende Verfahren zur Verfügung. Als destruierende Verfahren kommen
Laservaporisation, Kryotherapie und Elektrokauferisierung in Frage.
Kontraindikationen für destruierende Verfahren sind eine endozervikale
Ausdehnung der Läsion und ein Verdacht auf Invasion. Als Exzisionsverfahren
stehen die Laserkonisation, die Hochfrequenzschlinge und die Messerkonisation
zur Verfügung.

Bei der Diagnose PAP-Gruppe I und II reichen zytologische und kolposkopische
Kontrollen in den üblichen Abständen von 6-12 Monaten aus. Bei der Diagnose
PAP-Gruppe IIW/K (W = Wiederholung, K = Kontrolle) sollte nach einer
spezifischen Therapie (z. B. antiphlogistisch) eine zytologische und kolposkopische
Kontrolle erfolgen. Bei der Diagnose PAP-Gruppe IIID kann eine leichte oder
mäßige Dysplasie vorliegen . Das Vorgehen wird in Grafik 1 veranschaulicht.
Die zytologische Diagnose PAP-Gruppe IVA zeigt das Vorliegen einer schweren
Dysplasie oder eines Carcinoma in situ an. Kann bei der kolposkopischen
Evaluierung das Vorliegen einer schweren Dysplasie oder eines Carcinoma in situ
verifiziert werden, sollte die chirurgische Sanierung erfolgen. Ergibt die Kolposkopie
den Verdacht auf eine leichtgradige Läsion oder ein invasives Karzinom, so sollte
biopsiert und je nach histologischem Ergebnis wie bei Gruppe IIID bzw. V vorgegangen
werden. Die zytologische Diagnose PAP Gruppe IVB impliziert den kolposkopischen
Ausschluss eines invasiven Karzinoms und den histologischen Ausschluss des Vorliegens
einer Mikroinvasion durch Konisation. Bei der PAP-Gruppe V muss in jedem Fall
ein invasives Karzinom ausgeschlossen werden. Bei Vorliegen eines pathologischen
Abstriches in der Schwangerschaft ist eine spezifische Vorgehensweise angezeigt.
Falls eine Biopsie in der Schwangerschaft erforderlich ist, sollte diese, falls möglich,
zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche erfolgen, da dann das Risiko für
Abort und vorzeitige Wehentätigkeit am geringsten ist.

Idealerweise erfolgt die Diagnostik und Therapie von Präkanzerosen der Cervix uteri
durch einen Spezialisten mit Erfahrung in Kolposkopie, Zytologie, Histologie,
HPV-Diagnostik und der chirurgischen Behandlung dieser Veränderungen.
Nur wenn das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum beherrscht wird,
kann die Patientin mit ihrer speziellen Erkrankung kompetent beraten und individuell
behandelt werden.


Der Partner

Humane Papillomvirusinfektionen finden sich als sexuell übertragbare Infektionen
und Erkrankungen selbstverständlich auch beim Mann. Dies gilt sowohl für die
HPV-low-risk- als auch für die HPV-high-risk-Infektion. Allerdings ist das Auftreten
HPV-high-risk assoziierter Hautveränderungen und Erkrankungen beim Mann deutlich
geringer als bei der Frau. Dies ist ein Phänomen, das man weltweit nachweisen kann.

In Deutschland finden sich HPV-assoziierte Krebsvorstufen und Karzinome
des männlichen Genitale sehr selten. Bei beiden Geschlechtern persistiert
die HPV-Infektion gleich häufig, auch wenn gesicherte Daten über die Persistenz
und Spontanelimination der Viren nur für die Frauen vorliegen.

Auch wenn der Mann so gesehen weniger gefährdet ist selbstverständlich eine
Partneruntersuchung bei Vorliegen von infektionsfähigen Hautveränderungen des
weiblichen Genitale indiziert.

 

Zusammenfassung


Die anogenitale HPV-Infektion ist die häufigste, sexuell übertragbare Erkrankung
des Menschen. Die Prävalenz dieser Infektion in der Gruppe der 20- bis 30jährigen
wird mit über 50 % angegeben. In über 95 % der Fälle heilt die Erkrankung aber
spontan und vollständig wieder aus.

Die Infektion reit H P-Viren der „High risk"-Gruppe ist eine Voraussetzung für die
maligne Transformation von Zellen des zervikalen Platten- und Zylinderepithels.
Die lnfcktion allein reicht jedoch nicht aus, d.h. weitere mutagene Faktoren sind
erforderlich, um die Entwicklung eines Zervixkarzinoms in Gang zu setzen.

Die Karrzinogenese, die in wenigen Fällen einer HPV-Infektion folgen kann, 
benötigt von der Infektion bis zur klinischen Feststellung des Karzinoms etwa
15 bis 20 Jahre.

Die Risikogruppe der über 25- bis 30jährigen Frauen mit persistierenden,
HPV- assoziierten Läsionen an der Cervix uteri kann durch regelmäßige
kolposkolpische und zytologische Untersuchungen erfaßt werden. In diesen
Fällen kann dann durch additive HIPV-Typisierung eine weitere Gruppe mit
besonders erhöhtem Risiko definiert werden: Frauen mit „High risk" - Virusinfektion.

Die Typisierung der HP-Virustypen ist insofern von großer Bedeutung, als Frauen
mit "High-risk"-Virusinfektion bei weiterer Persistenz bzw. Progredienz die frühzeitige
Therapie mit lokaler Epitheldestruktion zu empfehlen ist.

Genauere Kenntnisse über die Wirkungsmechanismen der Regulationsproteine im
Zellzyklus der Epithelzellen werden in der Zukunft womöglich eine noch zuverlässigere
Krebsfrüherkennung bei der Frau ermöglichen.

HORMON-CENTER BERLIN