Flugreisen in der Schwangerschaft

 

Wann müssen sie verboten werden?

 

Traumurlaub gebucht - schwanger geworden! Flugreisen sind für eine
Schwangere und ihr Kind in der Regel zwar ungefährlich, doch es
gibt Ausnahmen. Welche Tips können wir Ihnen in dieser Situation geben? 

Flugphysiologisch ergeben sich für Mutter und Kind durch eine Flugreise
keine besonderen Gefahren. Durch die physiologischen Adaptationsmechanismen
der Schwangerschaft unterscheidet sich der mütterliche Organismus nicht
wesentlich von dem eines anderen Passagiers. Die mütterliche Sauerstoffsättigung
beträgt bei einer Kabinendruckhöhe von ca. 2.400 m etwa 90010 fetal,
ein nennenswerter p02-Abfall findet beim Kind nicht statt. Die kindliche
Herzfrequenz als feiner, indirekter Indikator für eine kindliche Hypoxie oder
Streß verändert sich nicht.
Eine Flugreise während der Schwangerschaft bedingt grundsätzlich kein erhöhtes
Risiko für Mutter und Kind. In der Literatur ist keine erhöhte Wahrscheinlichkeit
für Abort, vorzeitigen Blasensprung oder Plazentalösung bekannt. Zu
berücksichtigen ist, daß spontan ohnehin eine hohe Neigung zum Spontanabort
(15-25%), Frühgeburten (6-7%) oder zu kindlichen Fehlbildungen (3-5%) besteht.
Deshalb ist im 1. und 3. Trimenon Vorsicht geboten.
Vor allem bei Schmerzen oder Blutungen sollte von einer Flugreise abgeraten
werden.


Flugreisen bei komplikationsloser Schwangerschaft
bis zur 36. SSW möglich

Da es in 92-94% der Schwangerschaften nach der 37. Woche zur Spontangeburt kommt,
ist nach der 36. SSW das Risiko einer Geburt an Bord zu hoch. Mütter mit komplizierten
Schwangerschaften sollten jedoch ab der 32. Woche nicht mehr fliegen. Bei
Mehrlingsschwangerschaften, Neigung zu Frühgeburten, Zervixinsuffizienz, Blutungen oder
Uteruskontraktionen ist ganz
von einer Flugreise abzuraten. Sollte es dennoch zu einer Entbindung an Bord kommen,
so finden sich in bis zu 70% der Flüge der Lufthansa Ärzte als Passagiere an Bord,
die dann auf einen umfangreichen Doctor's Kit zurückgreifen können.
In der Frühschwangerschaft besteht wegen oft vorliegender Emesis gravidarum eine
besondere Anfälligkeit für Luftkrankheit. Bei Erbrechen sind in erster Linie Flüssigkeits-
und Elektrolytersatz sowie Glukosegabe indiziert (z.B. Elotrans). Antiemetika wie
Dopaminantagonisten (Metoclopramid, Domperidon und Bromoprid) sollten, insbesondere
im 1. Trimenon, nur unter strengster Indikationsstellung verordnet werden. In der
Spätschwangerschaftkann es wegen der Kompression des Darms durch den Uterus
und die Ausdehnung der Darmgase infolge des sich verringernden Umgebungsdrucks
zu unangenehmem Meteorismus kommen. Prophylaktisch sind eine nicht blähende
Diät und Verzicht auf kohlensäurehaltige Getränke zu empfehlen. Im III. Trimenon besteht
allgemein das Risiko einer vorzeitigen Plazentalösung durch Bagatellverletzungen.
Schwangere sollten deshalb besondere Vorsicht beim Umhergehen an Bord walten
lassen und während des Fluges angeschnallt bleiben.
Im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft ergibt sich durch venöses Pooling in den
unteren Extremitäten, erhöhte Ödemneigung und Kompression der V. cava inf. durch den
Uterus das Risiko einer Thrombose in den unteren Extremitäten. Dieses wird durch die
Immobilität während desFluges verstärkt. Daher sollte die Schwangere stündlich aufstehen
und etwas umhergehen, beengende Kleidung vermeiden, Stützstrümpfe tragen,
ausreichend trinken und Bewegungsübungenin Knie- und oberem Sprunggelenk durchführen.
Auch die Sitzplatzwahl am Gang oder in den vorderen Sitzreihen ist empfehlenswert.


Strahlenbelastung durch die Höhenstrahlung?

Das teratogene Risiko wird als gering eingeschätzt: Bei einer Flugdauer von z.B. zwölf
Stunden ergibt sich bei konservativer Berechnung eine Risikorate von 1:1,25-2,5
Millionen.für das Auftreten von Fehlbildungen. Diese Zahl ist vor dem Hintergrund einer
Rate von 30% Spontanaborten, 6-7% Frühgeburten und 3-5% kindlichen Fehlbildungen
zu vernachlässigen.
Sollte es zu einer Frühgeburt im Ausland kommen, ist die Behandlung des Frühgeborenen
nicht durch die normale Reisekrankenversicherung abgedeckt. Deshalb ist für die reisende
Schwangere der Abschluß einer Familien-Versicherung zu empfehlen.
Neugeborene sollten wegen der Möglichkeit einer Unreife der Lunge erst nach einer
Woche fliegen. Zumindest in den ersten 48 Stunden nach der Geburt sollte das Baby
nicht auf Flüge mitgenommen werden. Aufgrund des häufig verminderten Kalibers der oberen
Luftwege von Kindern ergeben sich Probleme beim Druckausgleich. Säuglingen sollte deshalb
beim Sinkflug die Flasche gegeben werden, größeren Kindern kann durch Gabe von Kaugummi
oder Bonbons geholfen werden. Je nach Auffassungsgabe kann auch das Valsalva-Manöver vor
dem Flug trainiert und bei Bedarf angewandt werden.


Quelle: Dr. med. Jörg Siedenburg, Internist, Lufthansa-Basis, Frankfurt.

 

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