Die Ernährung der Schwangeren

unter besonderer Berücksichtigung kritischer Nährstoffe


Der Schwangerschaftsverlauf wird maßgeblich durch die Versorgung
mit Mikro-und Makronährstoffen beeinflusst. Der Ernährungszustand
der werdenden Mutter hat nicht nur Einfluss auf die eigene Gesundheit,
sondern auch auf die des Kindes. Bei der Prävention vermeidbarer
Erkrankungen steht eine vollwertige Ernährung im Vordergrund. 
Die Schwangerschaft sollte möglichst mit gefüllten Nährstoffspeichern beginnen.
Häufig sind Frauen jedoch schon vor der Schwangerschaft mit den „kritischen"
Nährstoffen z. B. Eisen, Jod, Folsäure und Kalzium unterversorgt.
Diese Nährstoffe bedürfen besonderer Aufmerksamkeit.

Gewichtszunahme und Energiebedarf

Mit steigendem BMI erhöht sich das relative Risiko für einen späten
intrauterinen Fruchttod. Die wünschenswerte Gewichtszunahme
in der Schwangerschaft hängt vom Ausgangsgewicht ab. 
Aufgrund empirischer Daten wurden Richtwerte für die wünschenswerte
Gewichtszunahme in Abhängigkeit von der prägraviden Körpermasse
abgeleitet (Tabelle).  Ein niedriges präpartales Gewicht der Mutter
führt zu einem niedrigen Geburtsgewicht und verminderter Körpergröße
des Kindes und ist ein Risikofaktor für erhöhte Kindessterblichkeit. 

Richtwerte für die normale Gewichtszunahme während der Schwangerschaft

Untergewicht 

12,5-18,0

Normalgewicht 

11,5-16,0

Übergewicht 

7-11,5

Starkes Übergewicht

<7


 

Empfehlung für die tägliche Zufuhr energieliefernder Nährstoffe während der Schwangerschaft am Beispiel einer normalgewichtigen Frau

Energie

2455 kcal/Tag

Kohlenhydrate 

>300 g/Tag

Fett 

80-95 g/Tag

Eiweiß

60-70 g/Tag

Um mütterliche Zuckerbelastungen zu vermeiden, sollte die Ernährung aus
Nahrungsmitteln bestehen, die einen hohen Anteil komplexer Kohlenhydrate
(Polysaccharide, Stärke) aufweisen. Sie sind z. B in Vollkornprodukten, Gemüse
und Hülsenfrüchten enthalten.

Eiweiß

Aminosäuren sind wesentlich an der Organogenese, besonders der Gehirnentwicklung
des Fetus beteiligt.  Um die Zufuhr essentieller Aminosäuren sicherzustellen,
ist die Auswahl der Eiweißlieferanten von besonderer Bedeutung. Eiweiß aus tierischen
Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Milch und Milchprodukte sind von
hoher biologischer Wertigkeit, weil sie alle essentiellen Aminosäuren in einem
günstigen Verhältnis enthalten. Die biologische Wertigkeit pflanzlicher Eiweißlieferanten
wie Getreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchte ist geringer. Sie kann erhöht werden,
wenn pflanzliche mit tierischen Nahrungsmitteln, wie z. B. Milch und Milchprodukten
oder Eiern, kombiniert werden. Solche Kombinationen stellen Alternativen für
fleischfreie Tage dar.

Günstige Lebensmittelkombinationen für fleischfreie Tage zur Erhöhung der biologischen Wertigkeit von Eiweiß

Kombinationen 

Beispiele

Kartoffeln mit Ei,Milch und Milchprodukten

Bratkartoffeln mit Rührei
Pellkartoffeln mit Quarkdip
Kartoffelgratin (mit Milch und Käse)

Getreide mit Ei, Milch und Milchprodukten

Brot belegt mit Käse oder Quark
Müsli mit Milch
Nudelauflauf 
Milchreis 
Pfannkuchen 

Hülsenfrüchte mit Ei, Getreide,Milch und Milchprodukte

Linseneintopf mit Brot 
Weizenrisotto mit Erbsen
Eiergerichte mit Bohnen
als Nachtisch eine Quarkspeise

Fette

Bei der Fettzufuhr ist auf eine ausreichende Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren zu achten.
Sie sollten jedoch insgesamt 1o% der Nahrungsenergie nicht überschreiten.
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind beispielsweise in pflanzlichen Ölen sowie in
Kaltwasserfischen wie Makrele, Hering und Lachs enthalten. Einen hohen Gehalt 
haben auch Pflanzenöle wie Sonnenblumen-, Maiskeim- und Sojaöl. Schwangere
Frauen sollten ermuntert werden, 2-mal/Woche Fisch zu verzehren.

Die kritischen Nährstoffe

Der erhöhte Energieumsatz und die besonderen Syntheseleistungen führen zu einem 
Mikronährstoffe vermehrten Vitamin- und Mineralstoffbedarf. Der Mehrbedarf
dieser Mikronährstoffen übersteigt den Mehrbedarf an Energie teilweise erheblich.
Die alimentäre Zufuhr von Eisen, Jod und Kalzium liegt bei Frauen im gebärfähigen
Alter im Bevölkerungsdurchschnitt weit unter den Empfehlungen der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung . 

Folsäure

Folsäure  ist ein wasserlösliches Vitamin und gehört zu der Gruppe der B-Vitamine.
Folsäure ist  essentiell für ein normales Zellwachstum, die normale Zellteilung und
Zelldifferenzierung. Da die blutbildenden Zellen eine besonders hohe Teilungsrate haben,
sind Störungen des Blutbildes ein frühes Zeichen eines Folsäuremangels.
Um bei Erwachsenen Mangelsymptome zu vermeiden und die
Serum-Folsäure-Konzentration über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten,
werden von der Deutsche Gesellschaft für Ernährung 100 ug / Tag Folsäure
täglich für ausreichend erachtet. Durch Addition eines Sicherheitszuschlags 
ergeben sich für Erwachsene die unten stehemden erwünschten Mengen  für die Zufuhr.
Der erhöhte Bedarf während der Schwangerschaft ergibt sich aus der
beschleunigten Zellvermehrung durch die Vergrößerung des Uterus, der Entwicklung
der Plazenta und des Brustgewebes, der Zunahme des Blutvolumens sowie des Wachstums
des Fetus. Eine unzureichende Folsäureversorgung kann zu Abort,kongenitaler
Missbildung sowie Neuralrohrdefekten (NRD) führen. Bei der Ätiologie der NRD
wird eine multifaktorielle Genese vermutet. Neben einem Folsäuremangel scheint
u. a. eine zusätzliche genetische Disposition Voraussetzung für einen unvollständigen
Neuralrohrschluss zu sein . Es mehren sich jedoch die Hinweise, dass das Risiko
deutlich vermindert werden kann, wenn der Embryo während der kritischen Phase
der Neuralrohrbildung ausreichend mit Folsäure versorgt ist

Empfehlung für die Zufuhr kritischer Nährstoffe in der Schwangerschaft

Folate [ug/ Tag]

Eisen [mg/Tag] 

Kalzium [mg/Tag]

Jod [pg/Tag] 

600

30

1000

200

Folatreiche Lebensmittel sind grüne Blattsalate, grüne Blattgemüse, Kohl Hülsenfrüchte,Tomaten,
Vollkornprodukte und Weizenkeime.

Zu den folatreichen Lebensmitteln zählen grüne Blattsalate wie Endivie und Schikoree,
grüne Blattgemüse wie Spinat und Mangold und Kohlsorten wie Wirsing, Rosenkohl
oder Broccoli. Hülsenfrüchte, Tomaten, Vollkornprodukte sowie Weizenkeime stellen
weitere gute Quellen dar. Rinder- und Schweineleber sind ebenfalls besonders folatreich,
auf den Verzehr sollte aber aus den unten genannten Gründen verzichtet werden.
Folsäure ist ein sehr • empfindliches Vitamin: Es ist wasserlöslich und wird durch Hitze
und Licht leicht zerstört. Eine schonende Lebensmittelzubereitung ist wichtig, um die Inhaltsstoffe
bestmöglich zu erhalten.

Bis zur allgemeinen Anreicherung von Nahrungsmitteln mit Folsäure (derzeit in Diskussion)
sollte bei Frauen mit Kinderwunsch mindestens vier Wochen vor der Empfängnis sowie
während des ersten Drittels des Schwangerschaft 400 lag Folsäure täglich supplementiert,
d. h. zusätzlich zur Nahrung gegeben werden.
Durch eine Supplementierung wird das primäre Risiko für einen NRD signifikant
gesenkt. Nebenwirkungen der Vitaminsupplementierung sind nicht zu befürchten.
Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin und wird bei erhöhter Zufuhr durch die Niere
ausgeschieden. Eine Toxizität ist nicht bekannt.

Eisen

Eisen wird für die Synthese von Hämoglobin,  Myoglobin und eisenhaltigen Enzymen benötigt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Eisenzulage von 15 mg/Tag.
Der Eisenbedarf menstruierender Frauen liegt bei etwa 1,5 mg/Tag und ergibt sich aus
den Eisenverlusten über den Uterus und den nicht regulierten Eisenverlusten über Darm,
Nieren und Haut. Die Empfehlung der Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Frauen
liegt bei 15 mg/Tag und damit um den Faktor 10 über dem Bedarf. Dieser ist in der
Schwangerschaft erheblich gesteigert. Es werden etwa 300 mg Eisen für den Fetus,
50 mg für die Plazenta und etwa 450 mg Eisen für das vermehrte mütterliche
Blutvolumen benötigt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb eine
Eisenzulage von 15 mg/Tag. Die geforderte Gesamtzufuhr von 30 mg Eisen/Tag
wird über die Nahrung häufig nicht erreicht.

  • Eisenmangel

Eisenpräparate sollten möglichst vor dem Schlafengehen eingenommen werden,
da Komplexbildner in der Nahrung die Bioverfügbarkeit des Supplements
herabsetzen können. Über eine Eisensupplementierung sollte individuell entschieden
werden. Eine grundsätzliche prophylaktische Gabe wird nicht empfohlen . Des Weiteren
können Nebenwirkungen der Eisentherapie auftreten, die gerade Frauen in den ersten
Schwangerschaftsmonaten dadurch Probleme bereiten, dass sie die in dieser Phase
häufig auftretende Übelkeit und Neigung zu Erbrechen verstärken.
Im Rahmen der Kompetition um die Transportmechanismen im Darm kann das
vermehrte Eisenangebot die Zinkaufnahme teilweise blockieren.

Fleisch- und Wurstwaren,Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und spezielle Gemüsesorten
sind gute Eisenlieferanten.
Kalzium hemmt die Resorption von Fe 2+. Die Eisenzufuhr über die Nahrung
erfolgt durch pflanzliche und tierische Lebensmittel. Die Bioverfügbarkeit von
Eisen ist sehr stark von der Zusammensetzung der Kost abhängig und beeinflussbar .
Neben Fleisch- und Wurstwaren sind Vollkorngetreide (insbesondere Hirse, Roggen,
Weizen), Hülsenfrüchte und Gemüsesorten wie Wirsing, Spinat und Fenchel gute Eisenlieferanten.
Aus einer gemischten Kost werden etwa 10-15% des Eisens aufgenommen.
Kalzium hemmt die Resorption von Fe2+. Dies sind die Gründe, warum eine eisenreiche
nicht mit einer kalziumreichen Mahlzeit oder mit schwarzem Tee oder Kaffee
kombiniert werden sollte.


Jod

Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Schilddrüsenhormone wirken auf den
Intermediärstoffwechsel, fördern das Wachstum und die Differenzierung vieler Organe
(z. B. Hirnentwicklung bei Feten und bei Neugeborenen durch Förderung der Dendritenbildung)
sowie die Kontraktionskraft des Herzens. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
empfiehlt Erwachsenen eine Jodzufuhr von 200 pg/Tag. 

In der Fetalphase ist eine ausreichende Jodversorgung spätestens ab der 12. Woche
für die Entwicklung des zentralen Nervensystems von Bedeutung. In dieser Zeit
beginnt auch die fetale Schilddrüse Thyroxin zu synthetisieren. Dadurch wird der Fetus partiell
von der Mutter unabhängig, sofern die Jodzufuhr ausreichend ist. Je früher ein Jodmangel
manifest ist, desto ausgeprägter sind die Mangelerscheinungen, die das Risiko für Aborte,
Fehlgeburten sowie prä- und postnatale Sterblichkeit erhöhen können. Bestehen in der Phase
der Hirndifferenzierung ein starker Jodmangel, entwickelt sich das klinische Bild einer
schweren Unterfunktion  (Kretinismus) mit allgemeinen Reifungsstörungen
(mentale Retardierung, Hör- und Sprachstörungen).
Relativ unabhängig vom Zeitpunkt des Jodmangels sind die Entwicklungsstörungen,
die das Skelettsystem betreffen. Bis zum Abschluss des Längenwachstums sind
Knochenkernbildung und -reifung schilddrüsenabhängig. Je früher jedoch ein manifester
Jodmangel während der Schwangerschaft auftritt, umso ausgeprägter sind die Defekte:
Kleinwüchsigkeit, rundlicher Schädel und Deformierung der langen Röhrenknochen.
In der Tabelle sind die Risiken eines Jodmangels in der sensiblen Phase der Reifung zusammengefasst.

Risiken eines Jodmangels

Lebensalter

Risiko

Befruchtetes Ei

Störungen infolge gestörter Eieinnistung

Fetus

Fehlgeburten, angeborene Anomalien, erhöhte Frühsterblichkeit, geistige Defekte, Kleinwuchs, 

Neugeborene

psychomotorische Störungen, Taubheit, Schielen,
Schilddrüsenunterfunktion, Taubheit, Entwicklungsstörungen

Um eine Hypothyreose der Schwangeren rechtzeitig zu erkennen, sollten bevorzugt das TSH
(Thyreoidea-stimulierendes Hormon und freies T4 bereits in der Frühschwangerschaft -
ideal nach positivem Schwangerschaftstest - zusammen mit der Mutterschatsbasisserologie
kontrolliert werden.
Die Diagnose einer Hypothyreose während der Schwangerschaft erfordert eine zügige Therapie,
die am besten durch einen endokrinologisch versierten Frauenarzt erfolgt.


Prävention eines Jodmangels
Um Jodmangelstörungen zu vermeiden, ist eine verbesserte und gezielte Aufklärungsarbeit
bei Schwangeren und Stillenden dringend notwendig. Dabei ist besonders auf eine ausreichende
Jodzufuhr hinzuweisen. Der Arbeitskreis Jodmangel fordert konkret, dass jede schwangere Frau
täglich mit 200 ug/Tag  Jod oder einmal wöchentlich mit 1,5 mg Jod supplementiert werden soll.


Vorkommen in Lebensmitteln
Deutschland gilt als endemisches Jodmangelgebiet. Seefische wie Kabeljau, Seelachs,
Schellfisch oder Scholle sind die bedeutendsten Jodlieferanten unter den Lebensmitteln;
150 g Seelachsfilet reichen aus, um die empfohlene Tagesmenge von etwa 230 pg Jod
aufzunehmen. Milch und Milchprodukte, Jodsalz und damit hergestellte Back- und Fleischwaren,
Käse, Fertigprodukte sind ebenfalls Jodiertes Speisesalz gute Jodlieferanten. 
Jodiertes Speisesalz enthält durchschnittlich 20 pg Jod/g Speisesalz. Mit der Nahrung zugeführtes Jod
in Form von Jodid wird schnell und nahezu vollständig absorbiert. 

Kalzium

Kalziumionen fungieren als „second messenger" bei der Signalübertragung von
„second messenger" hormonalen und neuronalen Rezeptoren der Zelle.
Zum Beispiel führt ein Anstieg der freien Cal+-Konzentration in der Muskelzelle
zur Kontraktion der glatten und quergestreiften Muskulatur; Kalziumionen
vermitteln die Freisetzung von Neurotransmittern, sie stimulieren die Sekretionsleistung
von Zellen und sie aktivieren die Blutgerinnungskaskade. Des Weiteren stabilisieren
Kalziumsalze Knochen und Zähne. Das Knochengewebe dient dem Organismus
gleichzeitig als Kalziumreservoir.

Bedarf und Zufuhrempfehlung

Bei Erwachsenen wird ein Bilanzgleichgewicht mit einer Zufuhr von 5oo-6oo mg/Tag und
eine maximale Kalziumretention sowie maximaler Knochengehalt bei 900 mg/Tag erzielt.
Die Schwangere muss etwa 25-30 g Kalzium für den Fetus bereitstellen.
Während der Schwangerschaft empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Zufuhr von 1.ooo mg/Tag.

Vorkommen in Lebensmitteln

 Die beste Kalziumquelle sind Milch und Milchprodukte. Auch einige Gemüsesorten und Milchprodukte
enthalten nennenswerte Kalziummengen wie z. B. Grünkohl, Broccoli, Fenchel und Porree.
Daneben können kalziumreiche Mineralwässer (mit mindestens 150 mg Kalzium/1) sowie mit
Kalzium angereicherte Fruchtsäfte (z. B. Orangensaft plus Kalzium) die Kalziumversorgung
erheblich verbessern. 
Die beste Prävention eines Kalziummangels während der Schwangerschaft ist der Verzehr
von Milch und Milchprodukten, kalziumreichen Gemüsen und Mineralwässern sowie
mit Kalzium angereicherten Fruchtsäften. Wird die Deutsche Gesellschaft für Ernährung-Empfehlung
von 1000 mg/Tag dennoch nicht erreicht, ist eine ergänzende Gabe von Kalziumpräparaten sinnvoll.
Die absolute Höhe der Kalziumzufuhr ist entscheidend.
Generell sollte die Kalziumzufuhr über den Tag verteilt erfolgen.. Daneben begünstigen eine ausreichende
Sonnenexposition oder eine adäquate Vitamin-D-Zufuhr die Kalziumresorption. Ein Vitamin-D-Mangel
kann zu Störungen des Kalzium-Stoffwechsels von Mutter und Kind führen.

Magnesium

Magnesium aktiviert zahlreiche Enzyme z. B. des Energiestoffwechsels, wirkt als Kofaktor
bei vielen biosynthetischen Prozessen mit, spielt im Rahmen der Mineralisation des Knochens
und der Membranphysiologie sowie bei der Muskelkontraktion eine wichtige Rolle.
Hier wirkt Magnesium Kalzium-antagonistisch.
Für junge Frauen beträgt der Bedarf bei einer Absorptionsrate von 20-30% des mit der Nahrung
zugeführten Magnesiums durchschnittlich etwa 255 mg/Tag. Vor allem im letzten Drittel der
Schwangerschaft besteht ein erhöhter Magnesiumbedarf, weil der Fetus täglich 5,0-7,5 mg in das fetale
Gewebe einlagert. Der dadurch entstehende Mehrbedarf wird mit 310 mg/Tag abgedeckt.

Vorkommen in Lebensmitteln
Gute Magnesium-Lieferanten sind Vollkorngetreide, Milch und Milchprodukte,
Geflügel, Fisch, Kartoffeln, viele Gemüsearten, Sojabohnen, Beerenobst, Orangen und Bananen.

Magnesiummangel während der Schwangerschaft
Erste Symptome eines Magnesiummangels können nächtliche Wadenkrämpfe sein.
Fetale Mangelentwicklung, höhere Abortraten, erhöhtes Risiko einer EPH-Gestose,
sowie vorzeitige Wehentätigkeit als Folge eines Absinkens der Magnesiumkonzentration
in der Uterusmuskulatur sind mögliche Auswirkungen eines Magnesiummangels.
Erste Symptome sind nächtliche Wadenkrämpfe. 

Verzehrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
Lebensmittel sollten nährstoffreich, aber energiearm sein. Es sollten die Lebensmittel bevorzugt
gegessen werden, die reich an Nährstoffen sind, aber nur wenig Energie enthalten.
Die Basis für die tägliche Ernährung sind Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Kartoffeln,
fettarme Milch und Milchprodukte. Fisch, Eier, magere Wurst- und Fleischsorten dienen
als Beilage und sollten nicht täglich verzehrt werden. Fett- und zuckerreiche Lebensmittel
enthalten viel Energie und wenig Nährstoffe und sollten sparsam gegessen werden.

Im Ernährungskreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind die Lebensmittel,
die zu einer vollwertigen Ernährung gehören, in sieben Segmente eingeteilt .
Die Größe der einzelnen Kreissegmente beschreibt die Bedeutung der Lebensmittelgruppen:
aus den Segmenten 1-4 soll reichlich, aus Segment 5 ausreichend und aus Segmenten 6 und 7
wenig verzehrt werden.

Die „Checkliste für eine vollwertige Ernährung" zeigt die durchschnittliche Verzehrsmenge
der Lebensmittel, die zur Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs erforderlich sind.

Checkliste für eine vollwertige Ernährung: 

Täglich

  • 5-7 Scheiben Vollkornbrot (200-350 g),

  • 1 1 Portion Reis oder Nudeln (roh 75-90 g, gekocht 200-250 g) oder
    4-5 mittelgroße Kartoffeln (250-300 g),

  • 1 große Portion rohes Gemüse (1oo g),

  • 1 große Portion Salat (ca. 75 g), 

  • 2 Stück Obst,

  • 1,5-2,0 L Getränke (Trink- und Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees, naturreine Fruchtsäfte 1:1 mit Mineralwasser verdünnt),

  •  0,5 L fettarme Milch (Kefir oder Dickmilch),

  •  2-3 Scheiben fettarmen Käse (z. B. Edamer 3o% F.i.Tr.) 

  •  1 Becher Joghurt (fettarm),

  • 1 2 Esslöffel Butter oder Margarine (20 g),

  • 2 Esslöffel hochwertiges Pflanzenöl (20 g).

Wöchentlich:

  • 1-2 Portionen Seefisch (a 150 g),

  • 2-3 Portionen Fleisch (zu maximal 150 g),

  • 2-3 Portionen Wurst (zu maximal 50 g), 

  • bis zu 3 Eier.


Besonderheiten


Verzehr von Hülsenfrüchten
Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen, Linsen, Sojabohnen und Kichererbsen haben
den höchsten Gehalt an Eiweiß unter den pflanzlichen Lebensmitteln und können
einen wertvollen Beitrag zu einer vollwertigen Ernährung leisten. Es besteht keine generelle 
Empfehlung, dass Schwangere auf den Verzehr von Hülsenfrüchten verzichten sollten.
Die individuelle Verträglichkeit entscheidet darüber, ob und in welchen Mengen
sog. blähende Lebensmittel gegessen werden können.

Genussmittel

Pharmakologische Wirkungen von Kaffee und Tee sind auf den Koffeingehalt zurückzuführen.
In mehr als tausend experimentellen, klinischen und epidemiologischen Studien wurde u. a.
der Frage nachgegangen, ob der Genuss von Kaffee in Zusammenhang steht.
Die Ergebnisse dieser teratogen. Studien ergaben, dass Kaffee weder embryotoxisch
noch teratogen wirkt. Allerdings wurde in einigen Untersuchungen ein Zusammenhang
von Kaffeegenuss mit mehr als 300 mg Koffein täglich und dem Auftreten von
Früh- und Fehlgeburten festgestellt. Aus diesem Grund wird Schwangeren geraten,
möglichst nicht mehr als 3 Tassen Kaffee täglich zu trinken. Grüner und schwarzer Tee
enthalten bei mittlerer Aufgussstärke mit 50-70 mg/Tasse deutlich weniger Koffein als Kaffee.
Studien, die die Wirkung von Teeinhaltsstoffen auf die Schwangerschaft beschreiben,
sind nicht bekannt. Jedoch lassen sich die pharmakologischen Wirkungen des Kaffees
qualitativ auf die Wirkungen des Tees übertragen. Das gleiche gilt für den Genuss koffeinhaltiger
Erfrischungsgetränke (z. B. Cola-Getränke, Energy-Drinks, Guarana-Getränke).

Alkohol ist eine der häufigsten Ursachen Alkohol ist eine der häufigsten Ursachen embryonaler
Entwicklungsstörungen. embryonaler Entwicklungsstörungen. Ein Grenzwert, bei dem der
Alkoholgenuss in der Schwangerschaft ohne Folgen bleibt, existiert nicht.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, während der Gravidität auf Alkohol zu verzichten.

Verzehr von Seefisch

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin  empfiehlt
Schwangeren und Stillenden Fische zu meiden, die in der Schadstoffhöchstmengenverordnung
mit einer Höchstmenge von 1,0 mg Quecksilber/kg Fisch belastet sind . Diese Empfehlung
gilt selbstverständlich auch für daraus Methylquecksilber ist stark neurotoxisch hergestellte Erzeugnisse.
Das in den Fischen enthaltene Quecksilber liegt teilweise und wirkt teratogen.
als Methylquecksilber vor. Methylquecksüber ist stark neurotoxisch und wirkt teratogen.
Nach Passage der Plazentaschranke reichert es sich hauptsächlich im Gehirn des Fetus an.
Die Folgen können dauerhafte Hirnschäden sein. Trotz dieser Warnung sollten Schwangere
ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche verzehren. Die in Mitteleuropa verzehrten Mengen
an Seefisch stellen aus toxilogischer Sicht keinen Anlass dar auf die, wie unter
„Prävention eines Jodmangels", empfohlenen Fischmahlzeiten zu verzichten.

Verzehr von Schlachttierleber (Kalb, Rind, Schwein, Geflügel)
Schwangere sollten vorsichtshalber auf den Verzehr von Leber und leberhaltigen Produkten verzichten.
Eine Portion Leber kann das 5- bis 16-fache der für Schwangere tolerierbaren Menge
an Vitamin A enthalten. Insbesondere im 1. Trimenon ist eine teratogene Wirkung von Vitamin A
nicht auszuschließen. Bei den von Vitamin A induzierten Fehlbildungen liegen Hemmungsmissbildungen
vor, die die Phase der Organogenese betreffen. Des weiteren gehört Leber zu den
schadstoffreichen Lebensmitteln und sollte auch aus diesem Grund gemieden werden, 

Vegetarische Ernährung

Allen Grundformen gemeinsam ist die Bevorzugung von Vollkornerzeugnissen, Obst und Gemüse,
der weitgehende Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie eine hohe körperliche Aktivität.
Durch den Verzicht auf Fleisch und Fleischprodukte nehmen Vegetarier geringere Mengen
an tierischem Fett, Cholesterin und Purinen auf.
Die Ernährung der Veganer (sog. strenge Vegetarier) besteht ausschließlich aus pflanzlichen
Lebensmitteln, auch Honig wird teilweise abgelehnt. Umfangreiches Ernährungswissen ist
notwendig, um Lebensmittel so zusammenzustellen, dass Mangelerscheinungen vermieden werden.
Auch bei sorgfältiger Beachtung aller ernährungsphysiologischen Regeln rät die
Deutsche Gesellschaft für Ernährung Personen mit erhöhtem Nährstoffbedarf  wie z. B. Schwangeren
von einer veganen Ernährung ab. Besonders kritisch kann die Versorgung mit Eiweiß, Vit B12„
Kalzium, Eisen und Jod werden.
Die (ovo-)laktovegetabile Ernährung ist für Schwangere etwas weniger risikoreich.
Auch ohne Fleisch und Fisch kann eine im übrigen abwechslungsreiche gemischte Kost mit
den biologisch hochwertigen Eiweißträgern Milch und Eier, reichlich eisenreichen pflanzlichen
Lebensmitteln, die mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln kombiniert werden, bei Sicherung der
Jodzufuhr u. a. durch Jodsalz bzw. Jodpräparate als Dauerernährung geeignet sein. Trotzdem rät die
Deutsche Gesellschaft für Ernährung ab, während der Schwangerschaft auf tierische Lebensmittel
zu verzichten, weil durch die geringere Bioverfügbarkeit von Eisen aus pflanzlicher Kost die ausreichende
Versorgung in Frage gestellt ist.


Dieser Beitrag ist eine gekürzte Fassung aus dem Originalbeitrag:
Frauengesundheit in der Praxis: Die Ernährung der Schwangeren unter besonderer Berücksichtigung kritischer Nährstoffe; S. Gehrmann-Gödde, F.A. Gries; Gynäkologe 34 (2001) 3, 229-243



Mit freundlicher Genehmigung des Springer Verlags Berlin-Heidelberg
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